Laborwasser in der Heizung

Viel hilft viel, könnte man meinen, wenn Handwerker Heizanlagen mittels Umkehrosmose-Anlagen befüllen. Wer dem Lockruf der Industrie gutgläubig einfach folgt, den erwartet schlußendlich ein hoher Aufwand mit nicht erkennbarem Mehrwert …

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Folgend das Wissenswerteste aus dem Expertentalk als Fragen und Antworten zusammengefasst zum Nachlesen:

Udo
Ich habe mal eine Frage. Ich war letztens bei einem Heizungsbauer. Er hat eine Anlage von mir oder eine Anlage, die ich geplant habe, gefüllt. Ganz stolz zeigte er mir so eine Umkehrosmoseanlage,  Kühlschrank groß auf einer Sackkarre. Mit zwei Mann haben wir die dann runter in den Heizungskeller gefahren. Ganz glücklich war der nicht, der Heizungsbauer. Die Anlage wahnsinnig schwer, unheimlich langsam in der Befüllung. Also ich weiß nicht, 500 Liter, 800 Liter, Puffer 4-5 Stunden. Ist das richtig…?

Mike
Also Puffer speichert 1000 Liter?

Udo
Ja.

Mike
Was hat die für einen Durchsatz?

Udo
Die Umkehrosmose hat, weiß nicht, 200 Liter pro Stunde.

Mike
200 Liter pro Stunde. Ja gut, da kannst du ja bald nebenher laufen.
Und warum war der unglücklich? Ich meine, er hat wahrscheinlich viel Geld ausgegeben.

Udo
Er hat viel Geld ausgeben. Ich weiß nicht, so  viereinhalb,  5000 Euro für die Anlage. Ohne jetzt dann die Folgekosten, die da kommen.

Mike
Ist ja schon eine Investition für so eine Anlage. Muss man schon sehen.

Udo
Weil ich hatte auch mal von dir den Hardy gesehen, der ist deutlich günstiger.

Mike
Gut, das ist ein anders Verfahren. 

Udo
Ist ein anderes Verfahren. Muss ich Laborwasser in das Heizungssystem einfüllen oder geht das einfacher? Das sind so die Fragen, die der Heizungsbauer mir dann auch stellen wollte, aber dann habe ich auch irgendwann gesagt: „Ich spreche mit dem Mike Hannemann, der kennt sich damit aus und dann sage ich dir ganz genau Bescheid.“

Mike
Also grundsätzlich möchte ich sagen, sollte man vielleicht erst mal wissen, was ist denn überhaupt eine Umkehrosmose. Umkehrosmose ist ja dem osmotischen Druck der Zelle nachempfunden. Wir arbeiten hier mit einer Membranfiltration. Membranfiltration, das heißt eine Membran mit einer Feinheit, die im Bereich von zwei zehntausendstel Millimeter fein.

Udo
Also 0,00022.

Mike
Ja, so in der Art, genau. Also das ist die Feinheit der Membran und deshalb sind vor einer Umkehrosmose Membrane drei Vorfilterstufen geschaltet. Also ein Sedimentfilter, dann ist schon Feinfilter und Mikrofilter vorgeschaltet und dann kommt erst die Membrane.

Udo
Okay. Die Filter ersetzen die Enthärtungsanlage oder kommt die nochmal drauf?

Mike
Nein, nein. Kalk kann man ja nicht filtern, Kalk sind ja Kalzium-Magnesium-Ionen. Interessanter Ansatz, weil nur mit einer Osmoseanlage wird dieser Kollege wahrscheinlich auch nicht ganz glücklich, weil man vor eine Osmose normalerweise eine Enthärtung schalten muss, weil diese Membrane nämlich gar keinen Kalk verträgt. Die verbloggen dann. Da gibt es extra so Antiscale-Mittelchen. Die muss also regelrecht gespült werden. Je nach System gibt es dann eine Rücksprung. Die Ausbeute ist auch nicht so groß, deshalb kommen da auch nur 200 Liter raus, weil du musst ja das auch mit einer langsamen Geschwindigkeit durch die Membrane bringen. Deshalb, das drosselt. 

Also Widerstand drosselt natürlich den Durchfluss und der ist ja Drei-Filterstufe plus Membrane extrem hoch. Das brauchen wir nicht reden. Und dass das natürlich, diese ganze Technik, die Drucktechnik untergebracht werden muss… Du sagtest eben so Kühlschrank. Ja, ich habe da schon was vor Augen. Das klar, muss irgendwo verbaut werden und ja, teurer Spaß.

Udo
Jetzt noch mal auf die Enthärtung eingehend.  Die Enthärtungssanlage, die der Kunde in der Hausinstallation eventuell hat, reicht da nicht aus, oder?

Mike
Die müsste er auf Null stellen; auf Null Grad. Dann könnte man auch die Hausenthärtungsanlage… Das Verfahren ist jetzt das Gleiche. Also dieses Wasser… Was ist Osmosewasser? Osmosewasser mit zehntausendstel Millimeter gefiltert, das nimmt natürlich alles raus. Deshalb nimmt man es auch im Labor her. Da kommt es ja auch her. Du hast ja eben schon gesagt Laborwasser. Das bedeutet, wir nehmen Medikamentenrückstände, Hormone, solche Dinge raus. Ob das in einer normalen Meier-Müller-Huber-Heizung notwendig ist, Nutzen bringt, das ist ja die große Frage.

Udo
Ich habe auch im Wohnmobil eine kleine Osmoseanlage, wenn ich mal was Regenwasser oder irgendwas trinken muss oder möchte, aber  da kommt dann mal ein Liter raus oder halber Liter pro Minute, da kann ich mit leben.

Mike
Also ich bin kein Freund von Osmose zum trinken, aber bevor du Keimwasser hast, kann man das mal kurzfristig machen. Man sagt ja auch: „Einen Schluck Osmosewasser nach einer etwas durchzechten Nacht wirkt unheimlich entschlackend“.

Udo
Ja, alles klar.

Mike
Aber ist auch nicht besonders gesund, weil eben diese untersättigte Lösung, wenn du das als Nahrungsmittel, also Nahrungsmittel Nummer 1, nämlich Wasser zu dir nimmst, konsumierst, es gibt manche, die bauen sich das unter die Spüle zum Trinken, dann entziehst du den Zellen quasi das Salz. Das heißt, du hast schnell mal eine Magenschleimhautentzündung, weil eben damit das Gleichgewicht der Zelle gestört wird.

Udo
Genau. Und dieses Gleichgewicht oder diese Gleichgewichtsstörung passiert im Heizungswasser auch, oder?

Mike
Ja, natürlich. Wasser sucht immer sein Verteilungsgleichgewicht und wird dann möglicherweise sich nicht nur aufgrund seines hohen Lösungsvermögen da an den Belägen betätigen und die mobilisieren, sondern wenn da jetzt ein neues System ist zum Beispiel, dann gibt es ja ein Phänomen, was wir festgestellt haben in den letzten acht Jahren in unseren Laboranalysen, ist der Faktor an Spannungsrisskorrosionen um etwa 423 Prozent angestiegen. Also Spannungsrisskorrosionen im Zusammenhang mit entsalztem Wasser. Das ist ein Phänomen, wird leider ein bisschen ignoriert, aber es ist im Grunde wie alles auf der Erde, hat zwei Seiten, Yin und Yang, plus und minus.

Udo
Ganz spannend. Hatte ich letztens bei einem Fitting in der Installation. War ein Schiebehülsensystem. Den Fitting konnte man mit der Hand durchbrechen. 90 Familienhaus. Im Moment 10 Wohnungen, die sie saniert haben.

Mike
Da kannst du natürlich eine unheimlich Show machen, wenn du auf einer Party bist, „Hier, ich breche Amaturen.“

Udo
Raymund Haus mit seiner Kartoffel im Klömpckenweg. Aber zurück zum Heizungswasser. Heißt also, wenn ich das jetzt mal zusammenfasse: Umkehrosmoseanlage hat ihre Berechtigung.

Mike
Im Labor.

Udo
Im Labor. In der Heizungsanlage würde aber, ich sage mal in 90 Prozent der Fällen, die vorgeschaltete Enthärtungsanlage ausreichen?

Mike
Also du meinst, das ohne Osmose? Also nur enthärten?

Udo
Ohne Osmose. Nur enthärten.

Mike
Gut, das macht man seit 70 Jahren. Das ist Standard. Eine Osmoseanlage hat ja noch einen zweiten Faktor und nicht nur die Kosten. Wenn das so langsam läuft wie du das beschrieben hast, fünf Stunden für einen Pufferspeicher, dann fängt das nächste Problem an. Die Anlage sollte nach VOB bzw. nach allen Normen und Richtlinien gespült werden; Installationsrückstände möglichst rausspülen. Da kann man sich natürlich an zwei Fingern abzählen, dass sich der Monteur auf der Baustelle sich das dann verkneift. Der ist dann froh, wenn der Puffer voll ist.

Mike
Dann guckt er einmal aus dem Heizraum, ist da einer in der Nähe? Nein. Tür zu. „Ich habe gespült wie verrückt.“ Ich meine, das ist nachvollziehbar. Da kostet der Liter einen Euro wollte. Der muss ja kalkulieren.

Udo
Genau. Wollte ich gerade sagen. Ich habe die Kalkulation von dem Heizungsbauer gesehen: Befüllen dieser Anlage 2.000 Euro.

Mike
Ja, und da sagt ein Kunde, egal welchen Status der hat, mit gesundem Menschenverstand sagt der:“Bei mir kostet der Kubikmeter 5 Euro und du willst jetzt 2.000? Super Idee.“

Udo
Genau. „Du vergeudest mal eben mein Leitungswasser.“

Mike
„Nimmst mein Wasser und machst daraus 2000 Euro. Eine tolle Idee.“ Also da muss man vielleicht sagen, das richtige Maß zu finden, wäre  schon wieder jetzt an der Zeit. Ich meine, das kann man mal machen. Ist vielleicht ein Wohlstandssyndrom. „Wir können uns so eine Anlage leisten.“ Jemand, der sich so eine Anlage gar nicht leisten kann, käme gar nicht auf so eine Idee. Der würde sagen: „Hör mal, wieder back to the roots.“ Wenige Materialien einbauen, enthärten, kalkfrei macht Sinn. Korrusionsschutz rein macht auch Sinn und wenn man dann noch mal nachfiltert, erledigt!

Udo
Umkehrosmoseanlage, ich meine, wissen wir jetzt etwas drüber, aber ich denke einfach mal, dieser Wartungsaufwand für so eine Anlage, wenn die so diffizil ist, dass kriegst du ja auch nicht bei jedem Kaffeetrinken hin.

Mike
Als da muss man ganz klar sagen, eine Osmoseanlage funktioniert a) nur durch Pflege. Wenn die steht eine Woche oder zwei, dann funktioniert die gar nicht mehr. Das heißt, um die am Leben zu erhalten, also funktionstätig zu halten, muss die mit einer Zeitsteuerung angehängt werden, irgendwo im Betrieb. Zeitsteuerung, wo die alle 2-3 Tage oder besser alle 2 Tage 150 Liter Wasser durchspülen, also Trinkwasser spülen.

Udo
Also 500 Liter die Woche?

Mike
Ja, damit das Ding nicht kaputt geht.

Mike
Da kenne ich manche Ortschaften auf der südlichen Halbkugel, die so viel Wasser nicht zum Trinken haben.

Udo
Ja, es ist im Grunde, wenn man von ökologischer Haustechnik spricht, ist das ja auch… Das ist auch unser Thema immer wieder. Wenn man sagt,  nur ökonomisch und ökologisch klingt gut auf der Internetseite, aber wenn es nicht gelebt wird, dann muss man in der Branche auch mal wieder den Boden unter die Füße bekommen vielleicht.

Udo
Mike, aber das ist doch weder das eine noch das andere; für keinen der Beteiligten.

Mike
Nein, hier gewinnt eigentlich keiner. Es ist Ressourcenverschwendung. Der Handwerker kommt ja gar nicht weiter, weil in den 5 Stunden Puffer, wenn du das hast, ist ja klar, in der Zeit wäre er schon auf der anderen Baustelle. Das heißt, hier kommt ja alles gar nicht in Fluss. Es kommt ins Stocken. Genau, so ist richtig.

Udo
Ja, Fazit: Enthärten.

Mike
Weniger ist mehr.

Udo
Weniger ist mehr. Normen erfüllen, aber nicht übers Ziel hinausschießen.

Mike
Nein, nicht mit Kanonen auf Spatzen. Das macht keinen Sinn. Wenn es euch genutzt hat, vielleicht waren ein paar Impulse dabei. Du kannst es deinem Heizungsbauer sagen, ne?! Ja, viel Spaß.